Donnerstag, 27. Juni 2013

Österreichische (Wienerische) Masseinheiten

"Oba ums Oaschleckn net!"
ÖSTERREICHISCHE (Wienerische) MASSEINHEITEN

Ich wage zu behaupten, dass es keine Sprache gibt, die so unverbindliche Maßeinheiten hervorgebracht hat, wie die Österreichisch-Wienerische


An der Aufforderung: Noch ein "Wengerl", ein "Wengerl" sitzen, ein "Wengerl" da zu bleiben, noch ein "Wengerl" lustig zu sein, daran finden wir gar nichts bemerkenswertes mehr, noch dazu wo sich dieses "Wengerl" auch ausreichend von "ein Wenig" herrührend erklären lässt.

Dass ein Weg breit ist, wenn er lang ist, wundert auch keinen mehr:
"Heast, wo woast denn? - Na des woar a "brader" Weg!"

Dass man endlos wartet und ewig nicht dran kommt, auch daran hat man sich gewöhnt.
Ja selbst, dass jemand bei einem auf einen "Hupfer" vorbeischaut, wird in den seltensten Fällen missverstanden und stört selbst nach zwei Stunden noch niemanden.
Schwieriger wird es dann, wenn jemand um ein "Euzerl" daneben liegt.
Kann man zum Beispiel auch um zwei "Euzerl" daneben liegen? Waren in grauer Vorzeit einmal 10 Euzerl 1 Euz?

Um welche Menge handelt es sich wirklich wenn jemand sagt:
"Ich bin den ganzen Nachmittag eine Stunde herumgerannt.
I war in 97 Gschäftln, hab 17 Sakkos in 100 verschiedenen Größen probiert. Kein einziges hot ma passt, bis auf zwa, san gar net so schlecht. I hab a "Lawine" zahlt, und bin fix und fertig, weil überall a " ganzer Oasch voll Leut woar!"
Wie viele Leute gehen da wohl hinein? Ja, wenn besagter Körperteil einer einflussreichen Persönlichkeit gehört, wie viele san scho drin?

Wann wird aus einem "Tröpferl" ein Tropfen? Wann daraus ein "Schluckerl"? Wann kann man von einem "Glaserl" sprechen?
Bitte, dass ein "Flascherl" Wein in Österreich meistens ein Doppelliter ist, darf allerdings als bekannt vorausgesetzt werden.
Jedoch, wie groß ist ein "Futzerl" ? Wann mutiert es zum "Eckerl"? Wann zum "Stückerl"? Welche Ausdehnung muss ein Körper haben, daß wir ihn in der Folge als "Trumm", oder gar als "Mordstrumm" bezeichnen können?

Wie viel ist ein "bissi"?
Bissi ist besonders heikel, weil man bissi so ambivalent verwenden kann. Zum Beispiel:
"Na is a bissi vü!" oder aber auch: "Na is a bissi wenig!"
"Bist ein bissi deppert." Trägt noch ein harmloses, fast liebenswertes Irresein in sich.
Während: "Du bist, mir scheint, a bissi deppert!" bereits auf ernsthaft gestörte Geisteszustände hinweisen möchte.
Die Bereitschaft zur physischen Attacke drückt diese dann nur noch mehr durch die rhetorisch gestellte Frage aus, wenn sie unter Weglassung sämtlicher Zischlaute gestellt wird, denn:
"Heast bid a bidl debad!" "A bidl" das kann man gar nicht anders als drohend sagen.

Alle diese Beiläufigkeiten sind in ihrer Ungenauigkeit keine fixen Größen, aber als Österreicher lebt man mit ihnen.
Wahrscheinlich könnten Etymologen unter zu Hilfenahme diverser Lautverschiebungen ihre Herkunft einigermaßen klären. Anthropologen werden unter Hervorkramen alter Sitten und Gebräuche weiter Klarheit schaffen können, egal ob es sich um ein "Trumm", ein "Eckhaus" oder ein "Futzerl" handelt.

Aber NIEMAND, NIEMAND kann erklären von wo es kommt oder gar von welchem Brauch es sich ableitet, dass wenn jemand gefragt wird, ob er beispielsweise seinen Zug erwischt hätte, dieser dann antworten kann:
"Oba ums Oaschleckn net!"<
Ich bin so froh ..... ein Österreicher zu sein.

Gesamter Text von Joesi Prokopetz